Es war einmal ...
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An der Ecke der Großen
Märkerstraße und der Kuhgasse wird morgen, am 1. Feiertag,
ein Lokal eröffnet, auf das wir Freunde urwüchsiger
Gemüthlichkeit drastischen Humors aufmerksam machen wollen. Es
handelt sich um das restaurant zum" Groben Gottlieb", eine
Gastwirtschaft, die ganz im Bauernstile gehalten ist. Der Wirth tritt
den Besuchern im Bauernkostüm und der zipfelmütze, blauer
Schürze entgegen und befleißigt sich bei der bedienung einer
gewissen originellen Grobheit. Die Ausstattung des Lokales ist ganz
eigenartig. Die Wände sind mit Darstellungen aus dem Bauernleben
von dem hiesigen Maler Otto Rötzscher in flotter humorvoller
Weiße bemalt, Wäscheleinen mit Wäschestücken
schweben in der Luft, Waschtoilette etc. ist in der primitivsten Weise
hergerichtet, so daß man sich wohl in eine alte
Bauernschänke versetzt fühlen kann. Ein zweites Zimmer, das
den Titel "Ratsstube" führt, ist mit alten Waffen, alten
Standuhren, Vasen etc. geschmackvoll dekoriert: die altdeutschen
Stühle des Zimmers stammen von der Berliner Gewerbe-Ausstellung.
In einem dritten Zimmer befindet sich ein "Museum", eine schnurrige
Sammlung, bei der der Wirth in drolliger und witziger Weise den
Erklärer macht. Das eigenartige Lokal mit seinem drolligen Wirth
dürfte auf alle, denen eine interessante Abwechslung lieb ist,
Anziehungskraft ausüben." |
Saale-Zeitung, Halle
Donnerstag, 24. Dezember 1896
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